Notizen (104)

Man streicht die Namen von Orten aus seinem Gedächtnis. Man streicht die Bezeichnungen von Blumen und Kleidungsstücken, streicht Ausdrücke, die Teil einer Mode sind oder waren. Man vergisst, um das Besondere leugnen zu können, trägt man Schicht um Schicht einer glänzenden oder stumpfen Farbe ab. Und dann folgt einer dieser Momente, in denen man dennoch der Täuschung anheimfällt, man könne sich über das Detail das Ganze erschließen, und sich der eigene Blick auf einen Punkt zusammenzieht, an dessen klar abgegrenzte Ränder die Unschärfe brandet; wenn sich mit einem Mal, infolge einer täuschend echten Erkenntnis, von diesem Punkt aus ein Filter über das Bild legt und aus einem vermeintlichen Kiosk den Grenzposten macht – als wäre das der fixierenswerte Moment gewesen, das Überqueren der Grenze, nicht das Ankommen – und dich als jene Version deiner selbst ausweist, die noch rauchen durfte, zumindest hältst du deine Finger auf verräterische Weise an deine Lippen, und dann legt man es ab, weil man meint, sich zu erinnern.

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