{"id":86,"date":"2014-12-05T22:10:20","date_gmt":"2014-12-05T20:10:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ekelundekstase\/?p=86"},"modified":"2014-12-07T15:29:04","modified_gmt":"2014-12-07T13:29:04","slug":"tagebuch-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ekelundekstase.wababbel.de\/?p=86","title":{"rendered":"Tagebuch (1)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\">In der Nacht ruft die Mutter.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Auf der T\u00fcrschwelle ihrer Schlafstube stehend bet\u00e4tige ich den Lichtschalter und erfahre von ihr, der Bettl\u00e4gerigen: der Rauchfangkehrer sei in der Stube gewesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ich gehe zum Nachttisch und drehe den Wecker in ihre Richtung \u2013 zwei Uhr zeigt das Ziffernblatt \u2013 versichere ihr, es sei noch Nacht, sie habe getr\u00e4umt; mache kehrt, bleibe auf dem Absatz stehen und sehe ihren Kopf ins blumengemusterte Kissen sinken, bevor ich das Licht in der Schlafstube l\u00f6sche und noch einige Zeit durchs Haus gehe, auf der Suche nach dem Schwarzen Mann. Zur\u00fcck in meinem Zimmer streife ich mir das Nachtgespenst von den Schultern und h\u00e4nge es \u00fcber die Sessellehne, bevor ich mich wieder ins Bett lege, den Geschmack von Fieber auf den Lippen. Mich, denke ich an der Kante zum Schlaf, soll einmal der Fleischhauer Kummerer holen, mir mit dem Hammer, den er m\u00fchelos in der Hand wiegt, einen ge\u00fcbten, genau bemessenen Schlag vor die Stirn versetzen. Seinen Blick, das akkurat gestutzte Hitlerb\u00e4rtchen werde ich mit hin\u00fcbernehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Am n\u00e4chsten Morgen \u2013 <em>dem<\/em> n\u00e4chsten Morgen \u2013 will sie sich nicht mehr an ihr Aufwachen, ihr Rufen erinnern, verneint, w\u00e4hrend sie ihren Weck in den milchigen Kaffee tunkt, ihre n\u00e4chtliche Begegnung, und auch ich glaube kurz an einen Fiebertraum, am besten, sage ich mir, einen schon seit Tagen andauernden \u2013 und versichere mich doch des Fortlaufs der Welt, indem ich erneut mit der Lekt\u00fcre der Tageszeitung beginne, denn sie l\u00e4sst sich heute sehr viel Zeit mit ihrem Fr\u00fchst\u00fcck oder mir f\u00e4llt ihre Langsamkeit heute besonders auf, weil ich es eilig habe und ihr nichts vom Grund meiner Eile erz\u00e4hlen kann, denn sonst m\u00fcsste ich eine Geschichte hervorholen, die mir noch fr\u00fch genug am heutigen Morgen von unten an die Kehle springen wird und die sie, w\u00fcrde ich sie hervorholen und ihr am Fr\u00fchst\u00fcckstisch erz\u00e4hlen, beim Ankleiden im Bad schon wieder vergessen h\u00e4tte.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Als sie nach der Morgentoilette wieder im Bett liegt, gehe ich ein letztes Mal in die K\u00fcche, auf der Anrichte steht noch das Wasserglas, aus dem ich des Nachts ein paar metallene Schlucke genommen hatte \u2013 es finden sich zwar keine Abdr\u00fccke ru\u00dfschwarzer Finger daran, aber an der Innenseite dokumentieren feine Ringe die regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nde meiner n\u00e4chtlichen Streifz\u00fcge. Auf dem zum Untersetzer degradierten Kirchenblatt hatte ich es nach dem letzten hitzigen Lippenbekenntnis abgestellt, und jetzt vergr\u00f6\u00dfert ein letzter Rest Leitungswasser am Glasboden Uhrzeit und Anlass des heutigen Gottesdienstes, in Fettschrift, die mir als z\u00e4her Schauer den R\u00fccken herunterl\u00e4uft, w\u00e4hrend ich die Jacke vom Haken nehme \u2013 das Gotteslob als Wackerstein in der Tasche \u2013 und ge\u00fcbten, genau bemessenen Schrittes das Haus verlasse.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Nacht ruft die Mutter. Auf der T\u00fcrschwelle ihrer Schlafstube stehend bet\u00e4tige ich den Lichtschalter und erfahre von ihr, der Bettl\u00e4gerigen: der Rauchfangkehrer sei in der Stube gewesen. 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