{"id":358,"date":"2015-02-19T19:10:05","date_gmt":"2015-02-19T18:10:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wababbel.de\/ekelundekstase\/?p=358"},"modified":"2015-02-19T18:53:56","modified_gmt":"2015-02-19T17:53:56","slug":"notizen-37","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ekelundekstase.wababbel.de\/?p=358","title":{"rendered":"Notizen (37)"},"content":{"rendered":"<p>Im Dunkel glimmen Zigaretten auf, schartig und glutrot wie die offenen H\u00e4lse einer vielk\u00f6pfigen Hydra. Aschgraue Aschenbecher in der schwarzen Hartplastikarmatur. Rot leuchtet ein Ring um den Zigarettenanz\u00fcnder und erinnert an ein futuristisches Kondom mit Erdbeergeschmack. Lippenstifterne M\u00fcnder legen sich an Flaschenh\u00e4lse. Eine Hand dreht am Autoradio, Asche rieselt auf die Konsole. Angezurrte Handbremse, absch\u00fcssiger Trampelpfad. Wer nicht mehr trinkt oder auf den n\u00e4chsten Kuss oder die n\u00e4chste verirrte Hand hofft, steigt aus und vertritt sich die Beine. Die Scheinwerfer schlagen eine fahle Schneise in den Wald, nur wenige Meter weit, in der Insekten in erratischen Bewegungen tanzen wie auf Zelluloid gebannte Staubk\u00f6rner. Dahinter stehen die B\u00e4ume schweigend und kalt. Unbemerkt von den Anderen ein paar Schritte zwischen ihre St\u00e4mme, von einem trockenen Laubteppich kommentiert, ungelenke Bewegungen, Rinde auf Haut, knisternder, mit klammen Fingern herangezogener Jackenstoff, herangezogenes Ungl\u00fcck, herangezogene Kinder, die wir haben werden, wenn wir in einem Mehrfamilienhaus im Wiesental wohnen werden, in einer Wohnung im Erdgeschoss oder im ersten Obergeschoss eines dieser zweigeschossigen H\u00e4user, auf deren Dachboden wir fr\u00fcher <em>Verheiratet sein<\/em> spielten, <em>Vater und Mutter sein<\/em> spielten, wo wir <em>Alt werden und sterben<\/em> spielten. Jetzt werden wir die alten M\u00f6bel aus den Zimmern und in den Transporter deines Vaters r\u00e4umen. Wir werden das Zimmer der Kinder streichen, pink oder blau oder beidfarbig. Wir werden den Kindern zuerst die Windel und dann den Nuki Schnuller entw\u00f6hnen. Wir werden sie in denselben Kindergarten bringen, in den bereits wir gegangen sind. Die ersten Male werden wir mit hineingehen, dann nicht mehr. Abschied nehmen sei nie leicht, werden wir den anderen Eltern am Kindergartentor sagen, und sie werden uns beipflichten, damit wir uns verstanden f\u00fchlen. Wir werden unsere Bed\u00fcrfnisse hintanstellen. Wir werden einander versprechen, uns nur noch heimlich zu streiten, oder jeder f\u00fcr sich. Wir werden einander besser verstehen lernen. Wir werden in der Lage sein, den Kindern gegen\u00fcber mit einer Stimme zu sprechen. Wir werden wissen, wann einer von uns in die Haushaltskasse greift, und wir werden verstehen, wozu. Wir werden die Briefe der Bank und der Versicherung \u00f6ffnen, sobald wir sie erhalten. Wir werden vern\u00fcnftige Entscheidungen treffen. Wir werden den Kindern ein Haustier besorgen, damit sie lernen, vern\u00fcnftige Entscheidungen zu treffen. Sobald sie lange genug still sitzen k\u00f6nnen, werden wir mit ihnen in die Kirche gehen, damit sie lernen, dass nicht das ganze Leben aus vern\u00fcnftigen Entscheidungen besteht. Wir werden wissen, was zu tun ist. Den Kindern werden wir Dinge aus den H\u00e4nden nehmen, wie wir ihnen Sprei\u00dfel aus den Fingern ziehen werden: einf\u00fchlsam, aber bestimmt. Vor dem Essen werden wir sie zum H\u00e4ndewaschen ins Bad schicken. Wir werden darauf achten, dass sie an die frische Luft kommen. Wir werden die Kinder vom Boden aufheben, sie aufrecht hinstellen und ihnen den Dreck abklopfen. Den Entgegenkommenden werden wir zul\u00e4cheln und sagen, ein bisschen Dreck sei gesund, Dorferde mache sch\u00f6n. Auf der Stra\u00dfe werden wir die anderen Eltern gr\u00fc\u00dfen oder ihnen zumindest zunicken, denn wir werden uns ihnen verbunden f\u00fchlen. Wir werden ihre Einladungen annehmen, wenn wir sie nicht ausschlagen k\u00f6nnen. Wir werden unsere Kinder mit ihren Kindern befreunden. Unsere Wohnung werden wir bald als zu klein f\u00fcr Besuch empfinden. Wir werden uns zur\u00fcckziehen und uns mehr Platz daf\u00fcr w\u00fcnschen. Fr\u00fcher oder sp\u00e4ter werden wir f\u00fcr das Haustier der Kinder einen Garten brauchen. Am Judenbuckel werden wir ein Grundst\u00fcck kaufen und Heimpl\u00e4tze f\u00fcr deine Eltern beantragen, in der Stadt, in einem Heim mit guten Parkm\u00f6glichkeiten. Wir werden deine Eltern besuchen und die Kinder mitnehmen, damit wir ihnen danach in der Stadt neue Schuhe kaufen k\u00f6nnen. Wir werden die alten M\u00f6bel aus dem Haus deiner Eltern holen und in den Flur stellen, um Ablagefl\u00e4chen f\u00fcr die eintreffenden Briefe zu schaffen. F\u00fcr das Haustier der Kinder werden wir einen Platz im Garten finden. Fr\u00fcher oder sp\u00e4ter werden wir die M\u00f6bel Besuchern gegen\u00fcber als Erbst\u00fccke bezeichnen. Wir werden uns \u00fcber die Belegung des Gottesackers informieren. Mit den Kindern werden wir das Grab deiner Eltern besuchen. Wir werden einander bei unterschiedlichen Verrichtungen im Flur begegnen und manchmal innehalten.<br \/>\nDu k\u00f6nntest mich schw\u00e4ngern, aus Spiel.<br \/>\nUnter den H\u00e4uptern verschwiegener B\u00e4ume markiert der Samenerguss das Revier. Sacht schlie\u00dft das Automobil den Rei\u00dfverschluss der Landstra\u00dfe. Ein Blick nach hinten auf die R\u00fcckbank, alles ist gut, der heilige Christopher f\u00e4hrt mit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Dunkel glimmen Zigaretten auf, schartig und glutrot wie die offenen H\u00e4lse einer vielk\u00f6pfigen Hydra. Aschgraue Aschenbecher in der schwarzen Hartplastikarmatur. 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